Theater 2010 Abschlussbericht
Geschrieben von Ingo Deutinger am 05.04.2010 14:22
Mit einem sehr guten Besucherergebnis endete die diesjährige Spielzeit des Trachtenverein Vilsheim. So konnten die seit Jahren gestiegenen Zuschauerzahlen noch übertroffen werden. Zum Gelingen trug unter anderem die Stückauswahl bei. Bei der Festlegung legen die Vilsheimer größten Wert auf Ausgewogenheit. Mal zeigt das Bühnenbild ein Versteck eines Räubers im Wald, einen Blumenstand am Viktualienmarkt oder wie in diesem Jahr ein Etablissement mitsamt Damen im Stile der späten 1920er Jahre. Auch vom Genre wird viel Wert auf Abwechslung gelegt. So will man sich bewusst vom typischen Klischee eines Bauerntheaters abgrenzen.
Mit der Inszenierung des Bühnenstücks „A Kufern“ wagte sich die Theatergruppe des Heimat- und Volkstrachten Erhaltungsvereins „Dö zünftigen Vilstaler“ bewusst an eine neue Herausforderung. Das Werk des Münchner Schriftstellers Peter Landstorfer wurde in der Landeshauptstadt bereits vom Autor selbst auf der eigenen Bühne uraufgeführt.
Auf Requisiten wie Kostüme oder Bühneneinrichtung wir seit jeher viel Augenmerk gelegt. Durch eine geschlossene Mannschaftsleistung aller Ensemblemitglieder kann somit das kritische Publikum ein übers andere Mal überzeugt werden. Für ein authentisches Bühnenbild trug heuer sicherlich das vereinseigene Heimatmuseum bei, das die Trachtler seit mehr als zehn Jahren ständig erweitern und instandhalten. Bei den Kostümen half zusätzlich der umfangreiche Theaterfundus des Bezirks Niederbayern aus. Dieser kann von allen Laienspielruppen in Niederbayern kostenlos genutzt werden und stellt somit einen Teil der staatlichen Kulturförderung dar. Ein wichtiger Ansatz wird es in den nächsten Jahren sein den eigenen Fundus auszubauen. Dabei erhofft sich der Verein kulturelle Fördermittel auch von der Gemeinde.
Ziel der monatelangen Proben und Bühnenbauten ist dennoch der Applaus der Besucher. Auch bei Laienspielern, die schon mehrere Jahrzehnte auf der Bühne standen, ist der Erfolg von der Gunst des Publikums abhängig. Seit längerem ist dabei festzustellen, dass der typische Besucher nicht unbedingt in Vilsheim zu suchen ist. Zahlreiche Stammgäste zieht es vom Umland zu den Bühnenkünstlern ins Vilstal.
Die "Gangster" des Theaterensembles versicherten schon zu Anfang: "Schwaare Sach'n macha mir net, so richtig schwaare net." Hunderttausend Mark gestohlenes Schmiergeld ist auch für gewöhnliche kleine Gauner eine große Summe. So träumten sie von einem goldenen Dietrich und einem gedecktem Tisch: "Schnitzel groß wie Gullideckel, Kaviar fress` ma mit'm Schöpflöffel und mit Wein da spül` ma ab." So verlockend es klingt, die Zigarre mit´m Zehner anzünden und die Füße mit Champagner zu waschen, dem Gangsterboss Bubi Bratzler (Hermann Unterreithmayr) war klar, dass sich ein Politiker nicht ohne Folgen das Schmiergeld entwenden lässt, denn "die Ministeri, die sind groß und wir sind welche von den Kleinsten"
Bubi wollte den Minister (Trachtlervorstand Johann Voitenleitner) dazu bewegen, das Geld in ein "traditionelles Münchner Etablissement" anzulegen, denn auch wenn er das gestohlenen Geld zurückbringen will: "Anständige Gangster gibt´s net, zumindest so selten wie ehrliche Politiker." Obwohl es sich als schwierig erwies, die ruppigen Gangsterbräute Lalo (Rita Mittermeier), Lilli (Angelika Bise) und Erna (Heidi Unterreithmayr) in reizvolle Animierdamen des Rotlichtmilieus zu verwandeln, blieb der Boss zuversichtlich: "Glaubst du, der Ministeri geht zur Polizei und sagt: Ich habe hunderttausend Mark Schmiergeld in ein Puff investiert und da haben sie mich beschissen?" Schnell ist aus dem Hinterzimmer der Schneiderei ein „Etablissement auf Zeit“ geworden. Nach einigen Handgriffen durch Stauber Luggi (Michael Gröschl), Nadler Toni (Michael Brandlmeier sen.) und Finger Beppi (Siegfried Deutinger) konnte der große Deal beginnen. So nahm das Chaos der volksnahen Komödie seinen Lauf und endet mit dem Spruch: "Wenn du spendet, sei bedacht, dass zum Schluss der Richtige lacht." Letztendlich konnte sich Schwester Pangratia (Marianne Seethaler) über den „Kufern voller Geld“ freuen.
Bevor der letzte Vorhang fiel, bedankte sich Regisseur Ingo Deutinger noch bei der Herbergsfamilie Stadler für die herzliche Unterstützung der Theatergruppe. Trachtlervorstand Voitenleitner überreichte als Dank einen großen Blumenstrauß an die Seniorchefin Hildegard Stadler. Für die Zuschauer endete eine flotte und kurzweilige Theaterspielzeit mit dem Hinweis, dass nächstes Jahr wieder ganz was anderes auf die „Bretter die die Welt bedeuten“ gezaubert wird.